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Der kleine Botschafter

von Luzia Kaul
Eine Adventsgeschichte für die Älteren – und für alle, die erspüren, was ein anderer gerade braucht.

ISBN 978-3-930376-95-7

Zentimeterdickes Glatteis legt binnen weniger Stunden eine ganze Stadt lahm, nichts geht mehr. Selbst der Regionalverkehr wird eingestellt. Lea und Lisa finden bei einer Schulfreundin ihrer Großmutter Unterschlupf. Doch Lea macht im Keller dieses alten Hauses eine erstaunliche Entdeckung ...

Zack, Lea rutschte schon wieder aus. Dieses Mal blieb sie für einen Moment auf ihrem Hosenboden sitzen und rieb sich ihr Knie. Das tat ganz schön weh. Doch dann musste sie herzhaft lachen. „Lisa, lass den Zaun heile!“, rief sie in Richtung ihrer Cousine. Mit beiden Händen hatte diese sich krampfhaft an den altersschwachen, nur noch teilweise schwarzen Eisenstäben festgeklammert und versuchte mühevoll mit deren Hilfe vorwärts zu kommen. Dabei rutschten auch ihr die Füße immer wieder weg. Kein Wunder bei der beachtlichen Eisschicht auf dem Gehweg! Auf der Straße sah es auch nicht anders aus. Solch ein Glatteis hatten die beiden Mädchen noch nie erlebt! „Wie dick mag das Eis sein?“ Lea ließ ihren Fellhandschuh über den Bürgersteig gleiten auf dem die zwei nun nebeneinander saßen. Das konnten sie heute auch in aller Seelenruhe, denn außer ihnen war keine Menschenseele weit und breit auf der Straße zu sehen. Kaum ein Auto fuhr, selbst der Busverkehr war eingestellt worden, sobald die Kinder die Kleinstadt gegen halb acht erreicht hatten. Mit Müh und Not waren sie zu ihrer Schule geschlittert. Doch die blieb heute wegen des Glatteises geschlossen. Lisa schnippte die Eiszapfen ab, die dem Gartenzaun einen ganz neuen Style verliehen. „Ich versuch nochmal, meine Mutter zu erreichen.“ Umständlich zog Lisa ihre Schultasche näher heran und kramte darin nach ihrem Handy. „Die hätten uns echt früher sagen können, dass wir heute schulfrei haben. Wozu haben die Eltern denn die Telefonketten, WhatsApp Gruppen und sowas. Jetzt sitzen wir hier herum. Echt blöd!“ Mürrisch rief sie die Festnetznummer ihrer Eltern auf und ließ es klingeln, endlich mit Erfolg. „Mama, du musst uns unbedingt holen kommen! Wir haben frei und keine Busse dürfen mehr fahren. Und gehen kann man auch nicht. Wann kommst du? Wir warten an...“ Weiter kam sie nicht, denn Lore fiel ihrer Tochter ins Wort. „Schatz, ich kann nicht fahren! Tut mir leid, aber es geht nicht!“
„Wie? Das geht nicht! Wir sitzen auf der Straße, im wahrsten Sinne des Wortes, weil wir andauernd hinfallen. Bitte hole uns! Lea ist auch bei mir, und alle anderen waren entweder erst gar nicht zur Schule gekommen oder sind gleich wieder zu Fuß nach Hause gegangen. Nur wir von den Dörfern hängen nun hier so blöde fest.“
„Ich verstehe dich, mein Schatz! Ich versichere dir: Es ist völlig unmöglich! Jetzt loszufahren wäre absolut verantwortungslos. Ich würde mit Sicherheit im Straßengraben landen, glaub es mir. Im Radio haben sie gesagt, dass selbst die Räumfahrzeuge nicht fahren können. Eine Besserung der Situation sei noch lange nicht in Sicht. Es tut mir wirklich sehr leid!“
Mit weit aufgerissenen Augen hatte Lisa ihrer Mutter zugehört. Sie musste schlucken. „Mama“, Lisa schniefte in ihr Taschentuch, „du lässt uns hier einfach hängen?!“ Der Nieselregen besprühte die Mädchen noch stärker als zuvor. Auf dem festgefrorenen Boden wuchs die Eisschicht stetig an. Auch die Eiszapfen am Gartenzaun entwickelten sich prima.
„Sei vernünftig, mein Schatz, du weißt ganz genau, dass ich dich niemals im Stich lassen werde! Sicher könnt ihr zu jemandem aus eurer Klasse nach Hause gehen. Was meinst du?“
„Boah, Mama, sooo doll sind wir mit denen auch wieder nicht befreundet!“
„Aber heute ist doch ein besonderer Notfall! Soll ich mit Mias Mutter sprechen?“
„Echt, das ist peinlich, das macht man nicht! Nein, das will ich bestimmt nicht!“
Lore seufzte. „Ach was, das ist nicht peinlich. Aber warte mal – in der Lindenallee wohnt doch Tante Edeltraud. Die kennt ihr doch. Ich rufe sie sofort an und frage, ob ich euch zu ihr schicken darf. Ja?“

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