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Such eins – find zwei

von Luzia Kaul
Eine Adventsgeschichte für Jung und Alt – und für alle, die ihren Weihnachtsbaum gerne selbst im Wald suchen.

An einem malerisch verschneiten Adventsnachmittag soll der Tannenbaum für Oma ausgesucht werden. Eine Aktion, auf die sich die ganze Großfamilie Jahr für Jahr freut – besonders Lea. Doch in diesem Jahr findet sie mehr als nur den „Baum der Bäume“ …

Lea platzte vor Ungeduld. Ausgerechnet heute fuhr ihr Vater viel zu langsam, fand sie. Die Straße sei spiegelglatt, behauptete er. Dabei war er der beste Autofahrer weit und breit – das stand für sie felsenfest. Dennoch lies er das Auto heute im absoluten Schneckentempo die ― zugegebenermaßen total verschneiten ― Straßen entlang kriechen.
Hübscher, dicker Watteschnee lag verheißungsvoll auf der Fahrbahn, die in den letzten Stunden offensichtlich keinen Schneepflug mehr gesehen hatte. Die Bäume und Büsche entlang des Straßenrandes trugen glitzernde, weiße Mützen. Frau Holle hatte ganze Arbeit geleistet. Lea war das nur allzu recht. Solch ein Wetter hatte sie sich seit Wochen für diesen Nachmittag sehnlichst herbeigewünscht. Schließlich war heute ein ganz besonderer Tag, einer, der nur ein einziges Mal im ganzen Jahr vorkam. Dann sollte doch alles passen – und das tat es auch – abgesehen davon, dass ihr Vater derartig nervtötend im Schneckentempo vorwärts kroch. Ätzend!
Lea schaute aus dem Fenster. Sie hatte mittlerweile die eiskalte Scheibe mehrfach angehaucht, Herzchen und Kreise in den entstandenen Nebel hineingemalt, mal die Wange und ein andermal die Stirn an das kalte Glas gelehnt und zwischendurch immer wieder gestöhnt. Jetzt hielt sie es nicht mehr aus.  „Papa, wie heißt die Antwort auf die verbotene Frage?“
Peter, ihr Vater, warf den Kopf in den Nacken und blies die Backen auf, so laut wie ein schnaubendes Pony.  „Maus, wenn ich das bloß selbst wusste! Glaub mir, auch ich bin heilfroh, wenn wir endlich heil bei Oma angekommen sind!“ Peter warf ihr im Rückspiegel einen kurzen, prüfenden Blick zu, konzentrierte sich jedoch sofort erneut auf die Fahrbahn.
„Und wenn die nicht auf uns warten? Onkel Hermann will auf jeden Fall früh genug losgehen! Er mochte im Hellen wieder zurück zu Oma kommen, hat er mir am Telefon gesagt. Und dass wir ja um zwölf pünktlich da sein sollen, das hat er auch gesagt! Und jetzt haben wir schon halb zwölf! Und wir trödeln hier vor uns her!“
Peter stieß zischend die Luft zwischen seinen tadellosen Zahnen aus. Frauke drehte sich vom Beifahrersitz aus zu ihrer Tochter um.  „Keine Sorge, Schatz, die werden schon auf dich warten! Onkel Hermann muss doch auch trotz des Wetters zur Oma fahren, genau wie wir! Dem geht es ganz bestimmt nicht besser als uns! Und im Übrigen weiß er doch nur allzu gut, wie gerne du dabei sein mochtest! Wenn ich mich nicht irre, hast du ihn neulich extra angerufen, um ihm genau das zu sagen. Stimmt’s, Maus?“ Frauke lächelte.
„Und wenn er das vergessen hat? Der ist doch schon so alt!“
„Der vergisst das schon nicht, glaub mir! Er mochte doch selbst lieber zusammen mit euch Kindern aussuchen gehen. Allein konnte er das jederzeit, wenn er nur wollte. Also mach dir keine Sorgen!“ Aufmunternd nickte Frauke ihrer Großen zu.
Mia, Leas kleine Schwester, schaute von ihrer Barbie-Puppe auf, die sie nunmehr zum x-ten Mal umzog. Bedeutungsvoll hob sie ihre kleinen Schultern, machte riesige Kulleraugen und gab ein theatralisches „Ist so!!!“ von sich.
Frauke und Peter lachten.  „Genau, Mia. Ist so!“
Lea konnte heute darüber überhaupt nicht lachen. Stattdessen machte sie sich echte Sorgen. Denn es konnte ja doch sein, dass die anderen losgingen ...

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