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Vier Wände für kostbare Wünsche

von Luzia Kaul
Eine Adventsgeschichte für die Älteren – insbesondere für die, die eine neues Zuhause suchen und sich fragen, was diese Wände wohl zu erzählen haben.

ISBN 978-3-930376-92-6

Markus und Ulli brauchen mehr Platz – und das dringend, wie sich beim Adventstreffen bei Oma Anna herausstellt. Während einer traumhaften Schlittenfahrt entdeckt Lea ein passendes Knusperhaus für die junge Familie. Doch das hat eine ganz besondere, eigene undsehr alte Eifelgeschichte …

Mit weit ausgebreiteten Armen lief Lea durch den Garten. Endlich schneite es. Bei der Schaukel blieb sie stehen und sah sich um: Die Obstbäumchen trugen sehr dicke, weiße Mützen, am Vogelhäuschen tummelten sich die Meisen, und aus dem Schornstein des schneebedeckten Hauses stieg sachte weißer Rauch, genau wie in einem Bilderbuch. Überhaupt fand sie das Haus wunderschön, in dem sie mit ihren beiden Eltern Peter und Frauke und ihrer kleinen Schwester Mia lebte. Und es würde in den kommenden Wochen noch viel schöner werden, denn sie bekam endlich ein eigenes Zimmer, ganz oben unterm Dach, direkt bei Sonne, Mond und Sternen. Darauf freute sie sich jetzt schon wie eine Schneekönigin. Sie würde auch gar nicht so lange darauf warten müssen, denn auf dem bisherigen Speicher arbeitete gleich ein ganzes Team der Werkstatt für Wohnraumgestaltung. In Windeseile zauberte dies von A bis Z Leas neues Reich. Bis in den Garten konnte sie die Männer sägen und hämmern hören. Normalerweise renovierten ihre Eltern immer alles selbst, aber Onkel Hermann, Oma Annas Bruder, hatte an Leas Geburtstag den üblichen Zank in Leas und Mias gemeinsamem Kinderzimmer miterlebt und den Fachbetrieb kurzerhand engagiert. Das sei sein Geburtstagsgeschenk für die nächsten zehn bis zwanzig Jahre, hatte er gesagt. Denn bis Peter den Speicherausbau zwischen seinen Montageaufenthalten im Ausland fertig habe, werde Lea sicherlich schon ausziehen, hatte Hermann augenzwinkernd gemeint. Omas Bruder war der Beste, fand Lea und ließ sich glücklich rückwärts in den Schnee fallen. Sie bewegte ihre Arme beim Kopf beginnend mit kleinen, ruckartigen Bewegungen durch die watteweiße Pracht. Anschließend stand sie sehr vorsichtig auf. Zufrieden betrachtete sie ihr Werk: Doch, er sah gut aus, der erste Schneeengel in diesem Jahr. Sorgfältig klopfte sie sich die Spuren aus der Kleidung. Dabei beobachtete sie, wie das neue Dachfenster montiert wurde – ihr Dachfenster! Sie wurde von dort aus direkt in den Garten über die Dächer der Nachbarhäuser, ja sogar bis zum Waldrand sehen können. Zweifellos: Ihr neues Zimmer würde das allerschönste Kinderzimmer der Welt werden, überlegte sie. Jede Familie sollte ein schönes Zuhause haben, fand Lea. Aber leider mussten viele ganz anders leben. Auch das wusste die Neunjährige nur allzu gut. Ihre Freundin Marie, zum Beispiel, konnte in ihrer klitzekleinen Wohnung nie schreien, springen oder einen Ball auftitschen; nicht einmal ein Stuhl durfte dort hörbar über die Fliesen schlurfen. Das war vielleicht doof! Lea musste aber manchmal einfach laut jubeln – oder schimpfen, je nachdem. Das nicht zu dürfen war vermutlich, nein, es war ganz gewiss, auch so etwas Ähnliches wie Tierquälerei, vermutete sie.
„Lea, wo bleibst du? Wir wollen doch zu Oma fahren.“, rief Frauke durch das gekippte Küchenfenster.
„Ich komme ja schon!“ Und sogleich wirbelte das Mädchen in Schlangenlinien der Haustüre entgegen. Die sacht fallenden Flocken kribbelten und kitzelten ihr im Gesicht. „Mama, darf ich das Pfefferkuchenhaus auf der Fahrt festhalten? Bitte!“ Entschlossen nahm sie es vom Tisch. Gestern hatten Mia, ihre Mutter und sie es für das heutige Familientreffen gebastelt. Das war gar nicht so einfach gewesen.
„Wird es dir nicht zu schwer werden?“, wollte ihre Mutter wissen.
„Bestimmt nicht! Ich bin doch schon groß.“
Frauke lächelte. „Na gut!“
Auf dem Weg zum Auto setzte Lea sehr umsichtig einen Fuß vor den anderen, um ja nicht auszurutschen. Sie freute sich unbändig auf den heutigen Nachmittag. Natürlich würde Onkel Hermann bei Oma Anna sein, wie meistens. Und er habe eine Überraschung für die Kinder vorbereitet, hatte er ihr anvertraut. Was, das hatte er um keinen Preis der Welt beim Telefonieren verraten wollen ...

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