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Das Doktorungemach

Ach, was hörte man ihn klagen,
wie er sich mit ihr musst’plagen,
litt gar schier unendlich Qualen,
es ist hier bald kaum auszumalen.

Er begann mit gutem Mut,
das Thema, es klang kurz und gut,
präzise, knapp, exakt umschrieben,
doch leider ist’s so nicht geblieben!

Der Doktorand untersuchte behände
Patientenschenschlangen ohne Ende,
sortierte, schrieb, notierte wie toll,
bald war so manche Statistik voll.

Doch in Bälde nun, mit Weh und Ach,
begann das „Doktor-Ungemach“.
Jetzt noch tippte er, rasch und super,
alles in den Freund Computer.

„So geht das nicht!“, mit sehr viel Hohn,
sprach Doktorvater dies zum Lohn,
„Du brauchst’ hier die Statistiker,
sonst sag ich immer Mist! Ist’s klar?“

Doch die Herren der sortierten Zahlen,
bereiteten ihm ernste Qualen.
Da er zu ihnen nicht gehörte,
die wahre Statistik im kaum gebührte.

Er schichtete hin und schichtete her,
würfelte die Zahlen mehr und mehr,
reihte sie hübsch adrett einher,
allein, dem Vater gefiels’ nicht sehr.

Und „Schätzchen“ hole, tagein, tagaus,
die Arbeit aus dem Müll heraus.

„Das ist völlig ganz normal!“,
sprach sein Bruder nur zur Qual,
„Auch ich musst’ dereinst es lang’ versuchen
und promovierte hauptsächlich im Fluchen!

Im Wesentlichen brauchst du nur Geduld!
Die Eile ist an allem Schuld.
Dein Doktorvater will dich nicht nur seifen,
nein, deine Weisheit, die soll reifen! 

Es soll an dir getestet werden,
dein geistig’ Kampfkraft hier auf Erden.
Hast du den Jahrzehntebiss,
ist der Doktor dir gewiss!“

Er nahm den Bruder nun beim Wort
und ließ mal dies, bald jenes fort;
wechselte kreativ und munter,
die Ergebnisse rauf und runter.

Einmal die Woche, weiß und frisch
bekam Doktorvater ’ne Variante auf den Tisch.
Doch Doktorand konnt kaum verstehn’,
was eigentlich der Kerl wollt sehn.

Und „Schätzchen“ hole, tagein, tagaus,
die Arbeit aus dem Müll heraus.

So ging’s jahraus und auch jahrein;
ein Doktor will gereift sein.
Bis dereinst er, so verriet er mir,
wählte: fliederfarbenes Duftpapier!

„Na, endlich! Warum nicht gleich so!“
Auch Doktorvater war nun froh,
fehlte doch der Arbeit nur
dieser Beweis von Kultur!

Um Jahre gealtert, an Schläfen ergraut,
erprobt in Geduld, die Willkür durchschaut;
von Woche zu Monat den Willen gestählt,
da nur Ausdauer und Biss den Erfolg bescheren.

Ergebnisse hin, Untersuchungen her;
nur diese Erkenntnis, die zählt sehr:
Wer sich nicht lässt kriegen unter,
darf sich nennen Doktor - welch ein Wunder!

© Luzia Kaul